25.02.2016STEAG New Energies startet mit langfristigem Versorgungskonzept für die TU Darmstadt

Konsortium aus Steag New Energies GmbH und ENTEGA AG versorgt die Technische Universität Darmstadt ab sofort mit Wärme, Kälte und Strom.


Freuen sich auf das gemeinsame Projekt: Thomas Billotet, Geschäftsführer der STEAG New Energies GmbH, Dr. Marie-Luise Wolff-Hertwig, Vorstandsvorsitzende ENTEGA AG, Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident TU Darmstadt, und Dr. Manfred Efinger, Kanzler TU Darmstadt

Darmstadt, Saarbrücken. Ein Konsortium aus Steag New Energies GmbH und ENTEGA AG (Darmstadt) versorgt die Technische Universität Darmstadt ab sofort mit Wärme, Kälte und Strom: Die Bietergemeinschaft hat einen bis Ende 2030 laufenden Contracting-Vertrag unterzeichnet und investiert kräftig in innovative, hocheffiziente Technologien auf dem Campus Lichtwiese. Bei einer Pressekonferenz in Darmstadt stellten die Partner heute das neue Versorgungskonzept vor. Es spart Energie und schützt die Umwelt. Um die Energieversorgung dafür auf den neuesten Stand zu bringen, investiert der neue Energiedienstleister insgesamt 17 Millionen Euro.

Für die Finanzierung, den Ausbau und den Betrieb der Anlagen hat das Konsortium eine eigene Gesellschaft gegründet, die ENTEGA STEAG Wärme GmbH mit Sitz in Darmstadt. Die Projektgesellschaft gehört zu 51 Prozent der Steag New Energies und zu 49 Prozent der ENTEGA AG. Die ENTEGA STEAG Wärme GmbH ist zwischenzeitlich für das Konsortium in den Vertrag mit der TU Darmstadt eingetreten.

Im Rahmen des neuen Versorgungskonzeptes wird die bestehende Energiezentrale modernisiert und erweitert. So ist unter anderem geplant, ein neues Blockheizkraftwerk und eine Absorptionskältemaschine zu errichtet. Zusätzlich wird auch das Versorgungsnetz ausgebaut. So entsteht auf dem Campus Lichtwiese ein neues, rund drei Kilometer langes Kältenetz, um beispielsweise den Hessischen Lichtenberg-Hochleistungsrechner energieeffizient zu kühlen. Ein wesentlicher Baustein des neuen Versorgungskonzepts ist die Anbindung des Wärmenetzes der TU an das Fernwärmenetz der ENTEGA. Dadurch wird künftig auch die umweltfreundlich erzeugte Wärme aus dem Darmstädter Müllheizkraftwerk genutzt.

„Bei der Erweiterung und Modernisierung der Energieversorgung der TU Darmstadt setzen wir mit Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung auf eine besonders energieeffiziente Technik. Wir modernisieren zwei bestehende Blockheizkraftwerke, errichten ein neues Blockheizkraftwerk und nutzen zukünftig auch Wärme aus dem Müllheizkraftwerk Darmstadt. Die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme schafft eine deutliche Steigerung des Wirkungsgrades gegenüber der bislang eingesetzten Wärmeerzeugung. Die neue Absorptionskältemaschine erzeugt darüber hinaus Kälte aus Wärme statt aus Strom. Auch damit verbessern wir den Wirkungsgrad insbesondere in den Sommermonaten“, sagte Thomas Billotet, technischer Geschäftsführer der STEAG New Energies GmbH.

Dr. Manfred Efinger, Kanzler TU Darmstadt, erläutert die Bedeutung des Projektes: „Für die TU Darmstadt bringt diese langfristige Kooperation gleich mehrere ökonomische wie ökologische Vorteile. Unsere Gebäude sind fortan mit einem sehr niedrigen Primärenergiefaktor zertifiziert. Das bedeutet, dass bei künftigen Neubauten und energetischen Sanierungsmaßnahmen an bestehende Gebäuden bis zu zehn Prozent der Bausumme eingespart werden kann – so viel kosten Kompensationsmaßnahmen zur Einhaltung des jeweils gesetzlich geforderten spezifischen Jahres-Primärenergiebedarfs.“

Weitere Vorteile beschreibt Dr. Marie-Luise Wolff-Hertwig, Vorstandsvorsitzende der ENTEGA AG: „Wir bündeln Know-how und erschließen Synergien. So können wir die Energieversorgung nicht nur wirtschaftlich attraktiv, sondern auch ökologisch vorbildlich gestalten. Damit leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag für die Nachhaltigkeitsziele der Universität. Auch die Wissenschaftsstadt Darmstadt verbessert ihre Klimabilanz, da viele städtische Liegenschaften am Fernwärmenetz der TU angeschlossen sind. Mit der geplanten Anbindung des TU-Wärmenetzes an das Fernwärmenetz der ENTEGA schaffen wir zudem eine wichtige Grundlage, um das Fernwärmenetz in Darmstadt weiter auszubauen.“

Grüner Campus

Rund 30.000 Studierende und Mitarbeiter lernen und forschen an den Standorten Innenstadt und Lichtwiese. In den 150 Gebäuden werden dabei jährlich etwa 54.000 MWh Strom, 62.000 MWh Wärme und 5.000 MWh Kälte verbraucht. Damit entspricht der Energiebedarf in etwa dem einer Kleinstadt und das mit steigender Tendenz. Denn der Campus soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Daher gehen die Planer auch von einem wachsenden Energiebedarf aus. Schließlich wird der neue Versorger wichtiger Ansprechpartner und Berater für das im Rahmen des 6. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung erfolgreiche Projekt „EnEff:Stadt Campus Lichtwiese“ sein: Die TU Darmstadt hat ein nachhaltiges Konzept entwickelt, um die Energieversorgungssparten auf dem sich dynamisch verändernden Universitätscampus intelligent zu verknüpfen und die Ziele der für 2050 angepeilten Energiewende schon im Jahr 2030 auf Quartiersebene umzusetzen.

Hintergrund aktuelle Versorgung

Im Heizkraftwerk Lichtwiese sind drei Blockheizkraftwerke (BHKW) mit einer thermischen Leistung von je 2 MW und einer elektrischen Leistung von je 1,95 MW installiert, die in der Wärmegrundlast betrieben werden. Zudem decken sechs Heißwasserkessel mit je 9,3 MW Wärmeleistung den Spitzenbedarf der Wärme ab. Der in den BHKW erzeugte Strom wird in das Stromnetz der Universität Darmstadt eingespeist und deckt ca. 60% des Gesamtbedarfs ab. Die restliche Strommenge wird aus dem vorgelagerten Verbundnetz bezogen. Die TU Darmstadt verbraucht derzeit ca. 54.000 MWh Strom im Jahr. Das Fernwärmenetz der TU Darmstadt hat eine Länge von ca. 20 km und versorgt die Liegenschaften auf dem Campus Lichtwiese, Hochschulstadion, Botanischer Garten und Stadtmitte. An die Energieversorgung des Kraftwerks sind derzeit ca. 150 Gebäude der TU Darmstadt mit einer Nettogrundfläche von insgesamt ca. 530.000 m² angeschlossen. Ferner werden weitere Landesliegenschaften wie das Justizzentrum (Landgericht, Oberlandesgericht, Amtsgericht), das Regierungspräsidium Darmstadt, das Hessische Landesmuseum, das Hessische Staatsarchiv und das Finanzamt Darmstadt mit Fernwärme aus dem Kraftwerk Lichtwiese versorgt. Universität und Landesliegenschaften beziehen jährlich zwischen 52.000 und 65.000 MWh an Wärmeenergie.


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